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Personal Basics (German) |
| Author(s): Constanze Klementz | |
| First published on Sarma, written April 2006 | |
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Ich arbeite als Kritikerin. Nicht nur, aber auch deshalb habe ich ein nachvollziehbares Interesse daran festzustellen, dass der Kritiker als soziale Setzung nicht ausgedient hat – obwohl das meiste, was er in der Tradition seines Berufsstandes leisten soll, nicht mehr auf Augenhöhe mit der kulturellen Praxis aufschließt. Damit zusammen hängt die Frage, ob ein verändertes Potenzial des Kritischen nur ohne oder auch und vielleicht gerade am Beispiel der Figur des Kritikers gedacht werden kann. Das Berufsbild „Kritiker“ geht auf ein institutionelles Verständnis von Kritik zurück, das mit meiner Wahrnehmung von Realität und der Teilhabe an dieser Realität in zeitgenössischer Kunst und Gesellschaft kaum noch etwas zu tun hat. Wie allgegenwärtig Kritik als Königsweg der Analyse und Beurteilung von Welt (oder Kunst) nach einem allgemein verbindlichen und dieser Welt (oder Kunst) vor- und übergeordneten Set von Kategorien trotzdem ist, weiß der Kritiker so gut wie niemand anders. Das Feuilleton als Format, in dem Kunst im Informationsmedium Tageszeitung seinen Platz hat, versteht sich als Abbild kultureller Diskurse. Dieses Abbild wird hergestellt, indem man ausgewählte Stellvertreter zu Wort kommen lässt. Zwischen ihrer „Relevanz“ für das Entwirren, Verstehen und Bewerten von Realitätszusammenhängen und ihrem privilegierten Zugriff auf eine Öffentlichkeit wird ein Zusammenhang konstruiert. Die Repräsentativität der Auswahl dieser Stellvertreter ist gleich der Repräsentativität des Abbildes. Dass man seine Arbeit nie mit dem System identifizieren darf, in dem sie stattfindet, dass sie sich aber gleichzeitig an nichts so aktiv und fortwährend abarbeiten muss wie an den Mechanismen und Implikationen dieses Systems, habe ich nicht am Schreibtisch, sondern in Theater begriffen. Ähnlich wie das traditionelle Modell der Kritik hat die Black Box deshalb so gut und lange überlebt, weil sie sich als ein System, das die Art und die Qualität unserer Wahrnehmung von Welt wie eine Schablone ausrichtet, neben, bzw. über und nicht in diese Welt gesetzt hat. Was ich sagen will ist: Ich habe das, was ich tue, in einem Umfeld aus künstlerischen Untersuchungsgegenständen gelernt, das mich sozusagen zu der Einsicht genötigt hat, dass mein so genannter Gegenstand gar kein Gegenstand ist. Nicht ein Werk, dem ich in meiner besonderen Rolle nutzen oder schaden könnte, sondern ein Vorgang der Kommunikation. Ich denke, dass Kritik in dem Moment eine neue Art von Potenzial entwickeln kann, wo der Kritiker es dem Leser ermöglicht, in ihm „nur“ einen anderen Betrachter mit einer anderen Sichtweise zu sehen, wo der Leser jedes Recht (und gar keine andere Wahl) hat, als den Text, den er liest, ebenso aufmerksam zu vereinnahmen wie das Stück, das er sieht. Das geschieht wie im Theater über Zwischenräume, die unbesetzt bleiben und die verhindern, dass die Maschine einfach nur rund läuft. Als Beuys sagte, dass jeder Mensch ein Künstler ist, folgte daraus nicht, dass der Künstler als ein Künstler damit generell überflüssig wird. Und wenn Wissenschaftlerinnen wie Irit Rogoff fordern, dass das Kritische nicht mehr durch Lizenz erworben und als Domäne verteidigt, sondern, so pathetisch das vielleicht klingt, freigegeben, geteilt und ausgelebt werden muss, fühle ich mich als Kritiker nicht automatisch um meine Existenzberechtigung gebracht. Im Gegenteil: Was der zeitgenössischen Choreografie recht war – zu sich und dem System, aus dem sie kommt, selbst Stellung zu beziehen, nicht aus der Distanz, die immer „anderen“ vorbehalten ist, sondern mitten aus ihrer Praxis heraus – das kann und sollte der Kritik nur billig sein. Ob sie diesen Spagat schaffen kann, zumal in einem in so viele praktische Zwänge eingespannten Format wie der Tageskritik, kann ich nicht sagen. Aber auf die Frage, wo in meiner Praxis ich persönlich den Ort für das Kritische sehe, an dem für mich als Kritikerin zukünftig die meiste Arbeit ansteht, wäre das meine Antwort. |
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Contextual Note: This is the statement of Constanze Klementz held during the Sarma-colloquium „Unfolding the Critical“ at Tanzkongress Deutschland 23.4.2006. The text was originally written in German and translated by Martin Nachbar in English. Constanze Klementz is a Sarma-critic, if you want to read more about here, please visit the following page constanze Klementz |
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©Constanze Klementz |
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